Leseprobe Over the falls

Das Glück in diesem Moment mit Nainoa draußen auf dem Meer zu sein, war so unbeschreiblich.

Wenn ich eine Pause machte und  ihn beim Surfen beobachten durfte, war ich extrem stolz in seiner Nähe zu sein. Nach so kurzer Zeit  war er mein Beschützer, mein Lehrer, mein Liebhaber und mein Held zugleich.

Nach dem Surfen zogen wir uns ein bisschen zurück und suchten uns ein ruhiges Plätzchen abseits vom belebten Strand. Wir legten uns in den Sand, nachdem wir unsere Surfbretter  gegen eine Palme zum Trocknen gelehnt hatten Der goldene Sand klebte an unseren noch nassen Körpern.

Als wir nebeneinander lagen und unsere Körper von der Sonne trocknen ließen, traute ich mich und streichelte sanft und langsam mit meiner Hand über seinen Arm und verweilte auf seiner Tätowierung. Mit meinem Zeigefinger zeichnete ich die schwarzen Zahlen auf der Innenseite seines Unterarms nach.

„Was bedeuten die Zahlen?“ fragte ich leise.

„Was glaubst du?“ blinzelte er mich auffordernd an.

„Keine Ahnung, vielleicht hat es was mit deinen Frauen zu tun?“

Nainoa guckte  überrascht  und verzog den Mund, „mit meinen Frauen?“

„Ja, ich habe gehört, davon gab es eine ganze Menge in deinem Leben.“

„Hast du das gehört? Aha! Und was sollten die Zahlen dann bedeuten, deiner Meinung nach?“

„Weiß nicht“, ich zuckte mit der Achsel, „womöglich hast du allen eine Nummer gegeben.“

Nainoa musste sich zusammenreißen nicht laut zu lachen.

„Oder!“,  fuhr ich betont ernst fort, „du hast ihnen so eine Art Note gegeben.“ Als meine Worte ausgesprochen waren, musste ich selbst grinsen.

„Das ist echt eine absurde Idee, Giselle.“

„Ja ich weiß“, gab ich anstandslos zu.

„Es hat nichts mit Frauen zu tun, so viel kann ich dir verraten.“

„Wenn es nichts mit Frauen zu tun hat, dann hat es was mit Surfen zu tun“, warf ich ein und war mir ziemlich sicher, damit richtig zu liegen.

„Du scheinst mich für keinen besonders facettenreichen Menschen zu halten“, sagte Nainoa irritiert.

Ich schmunzelte, „das nicht,  ich habe mir nur deine zwei hervorstechendsten Talente herausgepickt.“

„Frauen sind ein Talent von mir?“ fragte  er betont ahnungslos.

„Du willst mir doch nicht erzählen, dass du nicht weißt, wie du auf Frauen wirkst?“ hielt ich ihm vor.

„Das ist doch aber kein Talent“, wandt  er amüsiert ein. „Bei den meisten Frauen bedarf es nicht viel, um mit ihnen im Bett zu landen.“

„Du bist ja ein echter Frauenfeind“, gab ich gespielt entsetzt zu.

„Nein, ich mag Frauen.“ Er  gab mir einen flüchtigen Kuss auf meinen Mundwinkel, dann strich er mit seiner Nase meinen Hals entlang und atmete tief ein.

„Außerdem bin ich nicht besonders stolz darauf, mit vielen Frauen zusammen gewesen zu sein, das ist keine besondere Leistung“, sagte er, nachdem er wieder aufgetaucht war.

„Ha, es stimmt also, es waren viele Frauen. Ich wusste es doch“, zwinkerte ich ihm siegreich zu.

„Was ist mit dir? Bist du dir darüber bewusst, wie Männer auf dich reagieren?“ konterte er mit einer Gegenfrage.

„Was soll das nun wieder bedeuten? Ich verfüge in dieser Hinsicht  bei weitem nicht über solch einen Erfahrungsschatz wie du.“

„Du lenkst ab“,  konterte  Nainoa, während er an meinem Schlüsselbein  sanft herumknabberte, dann wanderten seine weichen Lippen weiter hoch zu meinem Hals.

„Nein du lenkst ab“, hauchte ich und wand mich unter seinen Berührungen.

„Also gut“, sagte ich weiter und versuchte krampfhaft sein Ablenkungsmanöver zu ignorieren, was mir jedoch schwer viel.

„Es hat was mit Surfen zu tun?“  fragte ich und gab mir Mühe meine Stimme zu kontrollieren. Mein schweres Atmen verriet jedoch meine Erregung.

„Richtig, du Schlaufuchs“, neckte mich Nainoa weiter und knabberte mittlerweile an meinem  Ohrläppchen.

„Aha, dann was mit…, den Wettkämpfen, …deine erreichten  Punktzahlen?“ seufzte ich nun mehr, als das ich deutlich sprach.

Nainoa unterbrach seine intensive Beschäftigung mit meinem Ohr, hob seinen Kopf und schaute  mich verwirrt an. Mein Körper blieb sehnsüchtig und enttäuscht über diese abrupte Unterbrechung zurück.

„Du enttäuschst mich! Für so profilgeil hältst  du mich?“ entgegnete  er ernüchtert.

„Dann sag es endlich“, bettelte ich erschöpft, denn ich hatte keinen blassen Schimmer, was seine Tätowierung zu bedeuten hat.

„Ganz einfach“, erklärte mir Nainoa, „es sind die Breiten- und Längengrade der Surfspots an denen ich bisher gesurft bin. Damit habe ich bereits als Jugendlicher angefangen.“

„Wow“, ich strich nochmals sanft über die vielen Zahlenreihen. „Du hast wohl schon die halbe Welt bereist?“ sagte ich anerkennend.

„Welches Land ist das hier, zum Beispiel?“, fragte ich und hielt meinen Zeigefinger unter ein Zahlenpaar.

„Das ist Bali 1989.“

„Und wo ist das?“

„Brasilien.“

„Diese hier?“

„Australien, Sydney.“

„Welches Land ist das?“ erkundigte  ich mich  gespannt und zeigte auf die Zahlen 39 23 hinter der eine 8 12 stand.

„Da war ich in Portugal.“

„Wow“, wiederholte ich sichtlich beeindruckt.

„Und wo hat es dir am besten gefallen?“ wollte ich interessiert wissen, denn es faszinierte mich so sehr, dass Nainoa schon so viel von der Welt gesehen hatte. Das war schließlich auch immer mein Kindheitstraum gewesen.

„Am besten sind die Wellen  hier um die  Hawaii-Inseln herum, mit denen bin ich aufgewachsen, danach kommt  Tahiti.“ Nainoa lächelte mich schelmisch an.

„Am liebsten gefällt es mir jedoch dort“, sagte er verschmitzt und strich mit seinem Finger vorne über mein Badehöschen.

„Ein Macho bist du also auch noch, das sind ja tolle Aussichten“, scherzte ich, doch gleichzeitig spürte ich auch schon wieder die Sehnsucht in mir aufkommen, Nainoa noch näher zu sein.

Zärtlich streichelte er über meine Haare, so wie er es schon oft getan hatte.

„Es ist nun mal die Wahrheit“, sagte er  und sein Blick brannte bis tief in mir.

Glücklich und gut gelaunt kam ich pünktlich um viertel vor sechs am Abend in Izzys Pointbreak an.

„Und war’s schön?“  grinste mich Izzy verstohlen an.

Ich nickte und  lächelte Izzy zurückhaltend und mit roten Wangen an.

„Das freut mich Giselle, wirklich. Mein Sohn zieht wieder zurück nach Maui und ich verstehe jetzt, dass du bei seiner  Entscheidung eine große Rolle spielst.“

„Ich?“ fragte ich verwundert.